Nicht immer ist uns das Wetter wohl gewogen, doch zum Glück sind lange Schlechtwetterperioden selten und man darf getrost darauf vertrauen, dass nach einigen Stunden sich wieder die Sonne zeigt.

Trekking zu Pferd im kirgisischen Himmelsgebirge
14. Juli – 08. August 2018 – 26 Tage; CHF 4400

Maximal Reisende: Die Reise findet statt.

Sie nehmen die Nachmittags- oder Abendmaschine der Turkish Airlines in Zürich und werden, nach einem Zwischenhalt in Istanbul, entweder mitten in der Nacht oder dann am frühen Sonntagmorgen in der kirgisischen Hauptstadt Bishkek eintreffen. Ob mein bewährtes, noch etwas Charme aus der Sowjetzeit verströmendes, uns allerdings fremd anmutendes Hotel mitten in der Stadt, das vorwiegend von einheimischen Gästen aufgesucht wurde, schon generalüberholt ist, weiss ich noch nicht. Ich vermute aber, dass wir wahrscheinlich in einem (mir ebenfalls bekannten und auch empfehlenswerten) zentralasiatischen Hotel logieren werden, das nach westlichen Standard sich reckt: Bishkek sucht den Anschluss an die globalisierte Welt.  Gaby, meine Partnerin, und ich selber werden schon ein paar Tage früher abreisen, damit wir genügend Zeit haben, um vor unserem Trekking alle notwendigen Dinge in Ruhe erledigen zuz können.
Wir holen Sie am Flughafen inBishkek ab. Nach einem Ohr voll Schlaf, Kaffee, Tee und Frühstück wechseln wir am frühen Nachmittag zuerst die Dollars in kirgisische Soms. Wer danach Lust und Interesse hat,fährt mit Gaby und mir zum ausufernden Osh-Basar, um die frischen Nahrungsmittel (Gemüse und Obst), aber auch noch Handschuhe, Seile, Teekannen usw., für unseren Trekk einzukaufen.
Am Montag um die Mittagsstunde, wir haben nun auch die rund 100 kleinen Brote für unseren Trekk eingekauft, verlassen wir mit einem kleinen Bus die Hauptstadt und fahren Richtung Süden. Im Marktflecken Kochkor legen wir einen Zwischenhalt ein und übernachten in einem mir seit Jahren bekannten Homestay. Tags darauf geht’s dann weiter nach Kyzyl Tuu, dem zweitletzten Dorf vor der Torugart-Passhöhe, die die Grenze zu China bildet.
Bis wir am Mittwoch dann endlich das Dorf auf dem Rücken unserer Pferde verlassen, wird es früher Nachmittag; nach rund dreistündigem Ritt erreichen wir das erste Nachtlager. Ziel unserers 19-tägigen Reittrekkings sind ein paar kleine abgelegene Seen am westlichen Ende Arpatales und jenseits der Jaman-Too-Berge, die bis anhin von westlichen Touristen noch nicht entdeckt wurden. An einem der Seelein gibt es eine kleine Hütte, die von Jägern und Fischern aufgesucht wird. Unser Ritt führt durch zum Teil spektakuläre Landschaften, wir überqueren einige Pässe, reiten über unendlich weit scheinende Hochebenen und durchqueren hin und wieder auch kleinere Flüsse. Ausser Rauvögeln und Murmeltieren sind wildlebende Tiere selten zu sehen. Es gibt jedoch Gebiete, in denen wir mit Glück Steinböcke oder Marco-Polo-Schafe beobachten können. Wenn nachts der Himmel klar ist, überwältigt einen der von Sternen übersäte Himmel; wer Sternbilder entdecken möchte, bringt am besten noch eine Sternkarte mit.
Jeder und jede von uns hat sein eigenes Pferd, kleinere und trittsichere Tiere. Geritten wird nach kirgisischer Art, die dem Westernreiten sehr nahe kommt. Unser Gepäck wird von Packpferden mitgeführt; wir transportieren für den gesamten Trekk alles mit uns. Unsere Führer sind für die Pferde zuständig – satteln, absatteln, packen; wer mag, kann ihnen helfen, die Pferde jeweils auf der Weide einzusammeln. Wir reiten täglich zwischen fünf bis sechs Srunden und halten im Normalfall eine zweistündige Mittagsrast.
Wir sind zuständig für die Küche: Wir rüsten das Gemüse und kochen für alle; nach dem Essen machen wir auch den Abwasch. Zum Frühstück gibt es Porridge; zum Lunch Brot, Käse, Gurken, Tomaten, Rüebli (so lange es Gemüse hat), manchmal Trockenfleisch, das wir aus der Schweiz mitnehmen; zum Nachtessen kochen wir Spaghetti mit Pesto, Aglio/Olio oder mit Tomaten und Gemüse, Älplermakaronen, dicke Gemüsesuppen, Reis etc. Fleisch nehmen wir nicht mit; es jedoch möglich, dass wir einmal in einer Jurte Beshbarmak erhalten, ein reines Fleischgericht (ein Alb für Vegetarier).
Wir nehmen die eigenen Zelte mit, die wir selber auf- und wieder abbauen; wer keines hat, dem/der kann ich eines ausleihen. Wir sind ebenfalls behilflich beim Aufstellen des Küchenzeltes, worin wir zwar nur in Ausnahmefällen kochen, das uns aber guten Schutz gegen Kälte und Nässe gibt. Kirgistan hat grundsätzlich ein kontinentales Klima, doch in den Bergregionen – wir bewegen uns zwischen 2700 bis 3400 Metern – gibt es immer wieder schnelle lokale Wetterwechsel; die Temperaturen liegen tagsüber zwischen 10-25 Grad und nachts zwischen 7 bis einige Grade unter dem Gefrierpunkt.
Wir waschen uns am Bach oder begnügen uns mit einer Katzenwäsche und Feuchttüchlein. Wir führen kein WC-Zelt mit uns; für die grösseren und kleinen Geschäfte gibt es genügend Steinbrocken oder Bodenwellen, die Schutz bieten.

Welches sind die grössten Herausforderungen dieser Reise?
Erstaunlicherweise sind es für fast alle Mitreisenden – ob geübte ReiterInnen oder auch Reitanfänger – nicht die Stunden im Sattel: da sitzen fast alle bequem und ohne Probleme. Die grössere Herausforderung ist für die meisten, dass wir keine Stühle und Tische mit dabi haben, kein Bett und auch nie ein Dach, ausser der Zeltplane, über dem Kopf. Zwar werden wir für eine Teepause zwei, dreimal in einer Jurte zum Tee und zu Kymis eingeladen, doch auch dann sitzt man auf dem Boden und man muss darauf bedacht sein, seine Füsse nicht auf dem Tischtuch ruhen zu lassen. Vergessen darf man auch nicht, dass wir nicht als Cowboys und Viehtreiber unterwegs sind, sondern die Tage gleichförmig und eintönig ablaufen, wenn man die stets wechselnde Topografie, Flora und Landschaft nicht wahrnimmt. Das Wetter kann angenehm sein, aber auch rauh, nass, kalt, windig, heiss und trocken. Unser Trekk ist kein Sonntagsspaziergang, doch er bleibt als eindrücklich nachhallende Erinnerung an etwas, das einem meistens nur als Idee bekannt ist: Der Weg ist das Ziel.